ADHS kann bisher nicht gesichert neurobiologisch nachgewiesen werden. Man weiß lediglich, welche Botenstoffe eine Rolle spielen und dass eine genetische Disposition in 50 verschiedenen Genen, die alle mit dem Neurotransmitterstoffwechsel zusammenhängen, belegt werden konnte. Das gibt natürlich ein buntes Bild … Weitere Einflüsse bilden Rauchen während der Schwangerschaft, ein niedriges Geburtsgewicht sowie mangelnde Zuwendung und Sicherheit für das Kind. Diese Faktoren KÖNNEN die Entwicklung des Gehirns stören. Die Diagnose erfolgt hierbei klinisch, das heißt, aufgrund Beobachtung des Kindes, einer genauen Betrachtung der psychosozialen Umstände und des geschilderten “Krankheits”verlaufs. Sie wird nach dem ICD-10 gestellt. Tritt in einem speziellen Fragebogen eine bestimmte Anzahl von zutreffenden Antworten auf, dann liegt die Diagnose der “Erkrankung” nahe.
Im Blut oder in anderen messtechnischen Verfahren ist eine Sicherung der Diagnose bisher nicht möglich.
Daher ist es wohl von größter Wichtigkeit bei der Arztwahl, genau darauf zu achten, wie viel Zeit er sich nimmt und wie individuell er auf die Verhaltensauffälligkeiten des ihm vorgestellten Kindes eingeht. Leider wird auch beobachtet, dass schon auf Bitten der Eltern der Rezeptblock gezückt und ein Medikament verordnet wird – was dann auch in den meisten Fällen Wirkung zeigt. Doch dazu an anderer Stelle mehr.
Ebenso wie eine Schlaftablette gegen Schlafstörungen und eine Schmerztablette gegen Schmerzen wirkt, ohne dass sie die Ursache der Schlaflosigkeit oder der Schmerzen berücksichtigt, wirkt auch Methylphenidat (Ritalin etc.) bei fast allen Kindern, auch wenn sie klinisch gesund sind!
Der Umkehrschluss also, dass wenn Ritalin hilft, ADS vorliegen muss, ist falsch!
Prof. Gerald Hüther schreibt hierzu:
“Wenn das, was wir bisher zusammengetragen haben stimmt und das dopaminerge System bei ADHS-Kindern nicht, wie bisher vermutet, unzureichend, sondern womöglich sogar übermäßig stark entwickelt ist – und deshalb im Gehirn dieser Kinder nicht zu wenig, sondern zu viel Dopamin ausgeschüttet wird -, so wäre die Dopamin-Mangel-Hypothese damit eigentlich auf den Kopf gestellt. Ein �Dopamindefizit� im Gehirn dieser Kinder war ja ursprünglich nur deshalb vermutet worden, weil die Verabreichung von Ritalin� und anderer zur Behandlung von ADHS eingesetzter Medikamente aus der Gruppe der Amphetamine zu einer verstärkten Freisetzung von Dopamin aus den dopaminergen Nervenenden und zur Hemmung seiner Wiederaufnahme führt.
Auf diese Weise – so die alte Theorie – käme es zur Auffüllung und Normalisierung eines im Gehirn dieser Kinder herrschenden Dopamindefizits und damit auch zur Korrektur durch diesen Dopaminmangel verursachten Verhaltensstörungen.”
Noch ein letzter Hinweis: Die Verordnung von Methylphenidat ist in den letzten 10 Jahren um das 10-fache gestiegen ..